Die produktneutrale Formulierung folgt einer einfachen Methode: Sie beschreiben eine überprüfbare Eigenschaft mit Schwellenwert, nicht ein bestimmtes Bauteil. Jede Anforderung, die mehrere Hersteller erfüllen können, ist bietbar. Jede Anforderung, die nur ein Fabrikat erfüllt, verengt das Feld. Wie sich diese Methode auf eine ganze Leistungsbeschreibung anwenden lässt, habe ich gesondert beschrieben.

Antrieb: Motor, Schaltung und Kraftübertragung nach Einsatz wählen

Der Motor lässt sich sauber über Eigenschaften beschreiben: Mittelmotor-Pedelec nach EN 15194, Nenndauerleistung 250 W, Unterstützung bis 25 km/h. Der Mittelmotor ist für beide Einsatzprofile die sinnvolle Vorgabe, weil er das Gewicht tief und mittig hält, die Traktion am Hinterrad nicht stört und mit Nabenschaltung wie mit Riemenantrieb zusammenarbeitet.

Aus der Entwicklung: Die Angaben 250 W Nenndauerleistung und Unterstützung bis 25 km/h sind keine Markenfrage, sondern die Bauartgrenze der Pedelec-Norm EN 15194. Mehrere Antriebssysteme, etwa von Bosch, Shimano, Fazua oder TQ, erfüllen dieselbe messbare Vorgabe. Die Marken sind hier nur Beispiele zur Einordnung, keine Vorgabe.

Bei Schaltung und Kraftübertragung trennen sich die Einsatzprofile. Im urbanen Betrieb ist die Nabenschaltung mit 8 bis 11 Gang die bessere Wahl. Sie ist gekapselt, wartungsarm, unempfindlich gegen Verstellung im Poolbetrieb und lässt sich im Stand schalten, was an der Ampel praktisch ist. Im Forst- und Geländeeinsatz ist die Kettenschaltung mit 11 bis 12 Gang und großer Übersetzungsbandbreite die praktikablere Vorgabe, weil sie die Reserven für längere Steigungen bietet.

Aus der Werkstatt: Das Schaltwerk einer Kettenschaltung ist im rauen Einsatz das exponierteste Bauteil. Ein Sturz oder ein Ast reicht, um es zu verbiegen. Im dichten Poolbetrieb mit wechselnden Nutzenden fällt eine verstellte Kettenschaltung schneller auf als eine gekapselte Nabe, die schlicht weiterläuft.

Bei der Kraftübertragung ist der Riemen im urbanen Betrieb erste Wahl: kein Schmieren, keine schwarzen Hosenbeine, hohe Laufleistung, unempfindlich gegen Nässe und Streusalz. Wichtig für die Ausschreibung ist eine technische Randbedingung: Ein Riemen läuft in einem Stück und braucht deshalb einen dafür konstruierten Rahmen mit geteiltem Hinterbau. Er lässt sich nicht nachrüsten, und er passt zur Nabenschaltung, nicht zur Kettenschaltung. Der Kettenantrieb bleibt universell und günstiger, verlangt aber mehr Wartung.

Faustregel: Urban und flach heißt Nabenschaltung plus Riemen, weil Wartungsarmut vor allem zählt. Hügelig bis bergig heißt Kettenschaltung, weil die Übersetzungsbandbreite vor allem zählt. Beides bleibt produktneutral, solange Sie die Eigenschaft fordern, nicht das Fabrikat.

Akku: Lebensdauer und Restkapazität sind der eigentliche Kostentreiber

Die Kapazität in Wattstunden steht groß im Prospekt, entscheidet aber nicht über die Wirtschaftlichkeit. Der Kostentreiber über die Nutzungsdauer ist, wie viel Kapazität nach ein bis zwei Jahren intensiven Ladens noch übrig ist. Deshalb gehört die Lebensdauer als messbare Restkapazität in die Leistungsbeschreibung, nicht nur die Nennkapazität.

Den Maßstab setzt der Beschaffungsleitfaden des Umweltbundesamtes für Elektrofahrräder aus dem Dezember 2025. Er bietet zwei Wege, die alternativ gelten. Entweder gewährt der Anbieter eine Garantie von mindestens 48 Monaten ab Kaufdatum, und der Akku hat nach 48 Monaten oder 500 Ladezyklen noch 80 Prozent der Bemessungskapazität, nachgewiesen per Herstellererklärung. Oder der Akku erreicht nach 800 Konditionierungszyklen, gemessen nach DIN EN 61960, noch mindestens 80 Prozent der ursprünglichen Bemessungskapazität, belegt durch das Prüfgutachten einer anerkannten Stelle über drei Akkus.

Nehmen Sie beide Wege in die Unterlagen auf und lassen Sie den Bieter wählen, welchen er nachweist. Wählt er den Garantieweg, verlangen Sie die zugrunde liegenden Prüfbedingungen, insbesondere Entladetiefe und Umgebungstemperatur, sofern der Hersteller sie angibt. Eine eigene, niedrigere Schwelle, etwa 60 Prozent nach zwei Jahren, liegt unter dem Stand des Leitfadens und nimmt Ihnen das Argument, sich auf eine anerkannte Grundlage zu stützen. Worauf beim Bezugswert und beim Begriff Ladezyklus zu achten ist, steht im Beitrag zur produktneutralen Leistungsbeschreibung.

Faustregel: Fordern Sie mindestens 500 Wh, abnehmbar und abschließbar, dazu einen der beiden Akkuwege aus dem UBA-Leitfaden und die Auslesbarkeit des State of Health durch eine Fachwerkstatt. So können Sie den Akkuzustand später im Prüfprotokoll dokumentieren, statt ihn zu schätzen.

Zwei weitere Punkte sichern den Betrieb über Jahre ab. Erstens die Auslesbarkeit: Ladezustand, Anzahl der Ladezyklen und verbleibende Restkapazität sollten mit dem herstellerseitigen Diagnosesystem auslesbar und dokumentierbar sein. Zweitens die Ersatzverfügbarkeit: Der UBA-Leitfaden fordert wesentliche Ersatzteile, ausdrücklich einschließlich Akku, für mindestens sieben Jahre ab erstmaligem Inverkehrbringen der letzten Einheit des Modells, mindestens für unabhängige Fachleute. Die Frist hängt am Modellende, nicht an Ihrem Liefertermin. Fordern Sie zusätzlich, dass Ersatzakkus in der gelieferten oder einer kapazitäts- und schnittstellenkompatiblen Ausführung geliefert werden.

Bremsen, Bereifung und Fahrwerk: Robustheit als messbare Vorgabe

Bei den Bremsen ist die hydraulische Scheibenbremse mit einem Scheibendurchmesser ab 180 mm und dem Betriebsmittel Mineralöl für beide Profile eine klare, prüfbare Vorgabe. Statt ein bestimmtes Belagmaterial vorzuschreiben, ist es sinnvoller, marktüblich verfügbare und austauschbare Bremsbeläge zu fordern, damit die Werkstatt sie ohne Sonderbeschaffung vorhalten kann.

Die Bereifung folgt demselben Muster: gemeinsame Basis, unterschiedliches Profil. Für beide Profile sinnvoll sind Pannenschutz, Schrader-Ventil und gute Sichtbarkeit über Reflexstreifen. Urban heißt robuste, rollwiderstandsarme Bereifung in 28 oder 27,5 Zoll. Forst heißt ausgeprägtes Stollenprofil für Traktion auf Schotter und feuchtem Boden in 27,5 oder 29 Zoll.

Beim Fahrwerk trennt sich der Einsatz erneut. Urban kommt mit einer starren Gabel aus, die wartungsfrei und robust ist. Forst und Gelände profitieren von einer gefederten Gabel mit 50 bis 100 mm Federweg. Wichtig für die Ausschreibung: Fordern Sie eine wartbare und austauschbare Federgabel samt Wartungsanleitung, sonst wird das Fahrwerk im Remote-Einsatz zum Standzeitrisiko.

KriteriumEinsatzprofil UrbanEinsatzprofil Forst und Gelände
SchaltungNabenschaltung 8 bis 11 GangKettenschaltung 11 bis 12 Gang, Bergübersetzung
KraftübertragungRiemen bevorzugt, Kette zulässigKette
Gabelstarrgefedert, 50 bis 100 mm, wartbar
Reifenrollwiderstandsarm, 28 oder 27,5 ZollStollenprofil, 27,5 oder 29 Zoll
RahmenmaterialStahl oder AluminiumStahl bevorzugt, robuster bei Beschädigung

Was die ganze Flotte betrifft: Licht, Display, Pedale und Wartbarkeit

Einige technische Vorgaben gelten unabhängig vom Einsatzprofil und sollten für das gesamte Los einheitlich sein. Die Lichtanlage muss fest montiert und StVZO-konform sein, gespeist aus dem Hauptakku, sodass kein zusätzlicher Nabendynamo nötig ist. Sinnvoll sind mindestens 60 Lux am LED-Scheinwerfer vorne und ein rotes LED-Rücklicht. Wichtig ist die Bauartgenehmigung: Beleuchtungseinrichtungen tragen die vorgeschriebene Kennung nach StVZO, erkennbar an der Wellenlinie mit K-Nummer.

Für den Poolbetrieb bewähren sich beidseitige Plattformpedale statt Klickpedale, weil verschiedene Nutzende mit verschiedenen Schuhtypen aufsteigen und Trittsicherheit hier vor Effizienz geht. Das Gewicht sollte 30 kg inklusive Akku nicht überschreiten, ein geringeres Gewicht ist ein sinnvolles Bewertungskriterium.

Display und Bedienung

Überlegen Sie vor der Ausschreibung, was das Display leisten soll, denn hier wird oft zu wenig oder zu viel gefordert. Ein Rad ganz ohne Display ist im Poolbetrieb selten ideal: Ohne Anzeige sehen Sie zum Beispiel den Kilometerstand nicht, der für eine laufleistungsabhängige Wartung und für die Übergabe zwischen wechselnden Nutzenden hilfreich ist. Umgekehrt braucht ein Dienstrad kein großes Navigationsdisplay.

Ein einfaches Display, das Ladezustand, Unterstützungsstufe, Geschwindigkeit und Kilometerstand zeigt, deckt den Flottenbetrieb in aller Regel ab. Viele Displays zeigen zusätzlich anstehende Wartungsintervalle an und lassen sich im Fachhandel einstellen, was die Flottenwartung planbarer macht. Entscheidend ist die Betriebsunabhängigkeit: Die fahrrelevanten Funktionen und der laufende Betrieb müssen ohne Smartphone oder App funktionieren.

Aus dem Handel: Der größte versteckte Kostenfaktor einer Flotte ist die Wartbarkeit vor Ort. Fordern Sie, dass jede fachkundige Werkstatt das Rad warten kann und dass die Komponenten frei am Markt verfügbar sind. Nur der Austausch proprietärer Antriebskomponenten darf ans autorisierte Servicenetz gebunden sein. Eine herstellereigene App für Diagnose, Updates oder Wartung ist dabei ausdrücklich in Ordnung, solange sie einer Fachwerkstatt zur Verfügung steht und der laufende Betrieb nicht von ihr abhängt.

Ein letzter Punkt, der im Betrieb viel spart: Einheitlichkeit innerhalb des Loses. Wenn Verschleiß- und Ersatzteile wie Schläuche, Reifen, Bremsbeläge, Beleuchtung und Bedienelemente untereinander austauschbar sind und die Bedienung über alle Räder gleich ist, können Beschäftigte ohne Umgewöhnung wechseln und die Werkstatt hält weniger Varianten vor. Wie stark sich die technischen Vorgaben je nach Aufgabe unterscheiden, zeigt der Beitrag Das richtige Rad für Bauhof, Ordnungsamt und Forst.

Fakten auf einen Blick

  • Motor produktneutral beschreiben: Mittelmotor-Pedelec nach EN 15194, 250 W Nenndauerleistung, Unterstützung bis 25 km/h.
  • Urban: Nabenschaltung 8 bis 11 Gang, Riemenantrieb bevorzugt, weil gekapselt und wartungsarm.
  • Forst: Kettenschaltung 11 bis 12 Gang mit Bergübersetzung, weil Übersetzungsbandbreite entscheidend ist.
  • Riemen braucht einen Rahmen mit geteiltem Hinterbau und ist nicht nachrüstbar.
  • Akku-Lebensdauer nach UBA-Leitfaden fordern, zwei Wege alternativ: 48 Monate Garantie mit 80 Prozent der Bemessungskapazität nach 48 Monaten oder 500 Ladezyklen, oder mindestens 80 Prozent nach 800 Konditionierungszyklen nach DIN EN 61960.
  • State of Health durch eine Fachwerkstatt auslesbar und im Prüfprotokoll dokumentierbar.
  • Ersatzakku kapazitäts- und schnittstellenkompatibel, verfügbar wie alle wesentlichen Ersatzteile mindestens sieben Jahre ab Inverkehrbringen der letzten Einheit des Modells.
  • Hydraulische Scheibenbremse ab 180 mm, Betriebsmittel Mineralöl; marktüblich verfügbare, austauschbare Beläge.
  • Gefederte Gabel im Gelände nur wartbar und austauschbar, mit Wartungsanleitung, fordern.
  • Lichtanlage StVZO-konform aus dem Hauptakku, mindestens 60 Lux, Bauartgenehmigung mit K-Nummer.
  • Fahrrelevante Funktionen und laufender Betrieb ohne Smartphone oder App; eine App für Diagnose und Wartung ist zulässig.
  • Einfaches Display mit Ladezustand, Unterstützungsstufe, Tempo und Kilometerstand genügt; große Navigationsdisplays sind im Flottenbetrieb nicht nötig.
  • Wartbarkeit durch jede Fachwerkstatt, Komponenten frei am Markt verfügbar; wesentliche Ersatzteile mindestens sieben Jahre ab Inverkehrbringen der letzten Einheit des Modells, mindestens für unabhängige Fachleute.

Häufige Fragen

Riemenantrieb oder Kette für kommunale E-Bikes?

Im urbanen Poolbetrieb ist der Riemen meist erste Wahl: wartungsarm, sauber und langlebig, ohne Schmierung. Er setzt aber einen dafür konstruierten Rahmen mit geteiltem Hinterbau voraus, lässt sich nicht nachrüsten und passt zur Nabenschaltung, nicht zur Kettenschaltung. Für den Gelände- und Forsteinsatz mit großer Übersetzungsbandbreite ist die Kette meist die praktikablere Wahl.

Wie lege ich die Akku-Lebensdauer in der Leistungsbeschreibung fest?

Nicht nur über die Kapazität in Wattstunden, sondern über die Restkapazität. Der Beschaffungsleitfaden des Umweltbundesamtes bietet dafür zwei alternative Wege: eine Garantie von mindestens 48 Monaten mit 80 Prozent der Bemessungskapazität nach 48 Monaten oder 500 Ladezyklen, oder mindestens 80 Prozent nach 800 Konditionierungszyklen, gemessen nach DIN EN 61960 und belegt durch ein Prüfgutachten. Nehmen Sie beide Wege auf und lassen Sie den Bieter wählen. Verlangen Sie zusätzlich, dass der State of Health durch eine Fachwerkstatt auslesbar und dokumentierbar ist.

Nabenschaltung oder Kettenschaltung für den Flottenbetrieb?

Für den urbanen Poolbetrieb ist die Nabenschaltung meist überlegen: gekapselt, wartungsarm, unempfindlich gegen Verstellung und schaltbar im Stand. Für hügeliges bis bergiges Gelände bietet die Kettenschaltung die größere Übersetzungsbandbreite, erfordert aber mehr Wartung und ist im rauen Einsatz anfälliger.

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Wie ich Einsatzprofil und Technik gemeinsam mit Ihrer Vergabestelle in eine ausschreibungsfähige Leistungsbeschreibung übersetze, steht auf der Seite zur Beschaffungsberatung für Kommunen.

Dieser Beitrag ist eine fachliche, technische Einordnung, keine Rechtsberatung. Vergaberechtliche Einzelfragen sollte im konkreten Fall eine Vergabestelle oder ein Vergabejurist prüfen.

Quellen

  • Umweltbundesamt (2025): Leitfaden zur umweltfreundlichen öffentlichen Beschaffung. Elektrofahrräder (Pedelecs 25). Dessau-Roßlau, Dezember 2025. Ersatzteile: Abschnitt 5.1.1.1. Akkuanforderungen: Abschnitte 5.1.4.2 und 5.1.4.3.
  • DIN EN 15194 und DIN EN 61960 in der jeweils geltenden Fassung.
Peter Bauch
Peter Bauch Gelernter Zweiradmechaniker mit Erfahrung in Werkstatt und Fahrradhandel, unter anderem als Abteilungs- und Standortleiter, und ehemaliger Produktmanager in der Entwicklung bei einem großen europäischen Fahrradhersteller. Unabhängiger Fahrradberater, herstellerunabhängig und ohne Provisionen.

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